Mein neuer Job. Oder: wenn alles anders kommt.

Seit Mitte März arbeite ich an einer Mehrklassenschule mit einer altersdurchmischten Kleinklasse. Daneben organisiere ich Unterhaltsarbeiten und Reinigung der Schulgebäude, mache Materialbestellungen und koordiniere den Ernährungsplan für die Schulküche. Ausserdem halte ich regelmässig Workshops zum Thema Kommunikation und Teamarbeit ab und leite das Freizeitprogramm der Schülerbetreuung. Ich arbeite unentgeltlich, nur gegen Kost und Logie!

Und dass, obwohl ich keinen einzigen Tag an der Pädagogischen Hochschule studiert habe. Entweder bin ich ein Naturtalent, oder ich habe keine Wahl.

Oder um es weniger schön auszudrücken: Wegen der momentan herrschenden Pandemie bin ich von heute auf morgen Lehrerin für 3 Kinder geworden. 3 verschiedene Alters- und Schulstufen. Ich versuche aus dem Stand zu erklären, zu korrigieren und anzuleiten. Daneben versuche ich, einen Haushalt am Laufen zu halten, gescheites Essen auf den Tisch zu bringen und mich mit den Kindern täglich draussen zu bewegen!

Ich weiss, es geht vielen genau gleich. Dank der sehr guten Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer ist das überhaupt möglich. Und unsere Kinder halten sich tapfer, hüpfen zwischen Video-Konferenzen und Digitalen Dokumenten hin und her und erledigen auch handschriftlich Briefe, führen Schultagebücher und rechnen beim Treppensteigen die 4er Reihe durch.

Es hat viel Gutes. Kaum Termine, auch mal Zeit für Dinge oder Spiele, die sonst zu kurz kommen. Langeweile. Ältere Geschwister helfen jüngeren, beide profitieren.

Aber manchmal reichts. Nun spielt sich eben alles zuhause ab, auch alle möglichen Streitereien. Wir können uns kaum aus dem Weg gehen. Ich versuche abzuwägen, wo ich mich einmischen soll, und wo nicht. Ich habe wenig Ruhe oder Raum für das, was ich möchte. Manchmal fehlt mir richtig die Luft zum Atmen!

Durch die fehlende Ablenkung von aussen höre ich meine innere Stimme lauter. Ich bin mehr als sonst konfrontiert mit meinen Gefühlen und Gedanken. Und manchmal erlebe ich wirklich dunkle Tage, in denen mich vieles niederdrückt und ich abends mutlos dastehe.

Anfang Februar bin ich an folgendem Bibelvers hängen geblieben:

«Denn Gott hat uns nicht den Geist der Furcht gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.» (2.Timotheus 1,7)

Das hat mir bereits in der Anfangszeit geholfen, als sich die Nachrichten und Auswirkungen der Pandemie überschlugen. Und auch später, um nicht in Panik zu geraten und wild Klopapier und Nudeln zu horten!

Und nun hilft mir der Vers, meinen Alltag zu meistern. Denn jedes Mal, wenn ich ihn sehe, denke ich daran, dass der Heilige Geist in mir wohnt, und das zumindest ER stark ist und jeden Tag wieder Liebe und Besonnenheit hat. Ich habe es sehr oft nicht. Er ist die Kraft in mir. Und er teilt gern…

Ich finde es trotztem schwierig und sehr herausfordernd. Und manchmal bin ich überfordert. Aber die Angst beherrscht mich nicht. Jesus verlässt mich nicht, auch wenn ich scheitere. Und ich weiss, dass Liebe der Grund ist, warum ich mich jeden Tag wieder an die Arbeit mache. Gottes Liebe zu mir, und meine Liebe zu meiner Familie.






Judith Fiedler

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Danke!

Pur