Die unbarmherzigen Samaritaner oder warum man mit Feuer nicht spielen sollte

Ich liebe Comics! In letzter Zeit habe ich wieder mehr gelesen, gerade auch seit ich meistens zuhause bin. Lachen ist manchmal so befreiend! Hast du schon mal über etwas gelacht, das in der Bibel steht? Ich schon. Manche Geschichten sind wirklich comicreif…

Eine dieser Stellen handelt von Jesus und seinen Jüngern und steht im Buch Lukas, Kapitel 9, Vers 51-56. An der Stelle wird erzählt, dass Jesus auf dem Weg nach Jerusalem ist, und eine Unterkunft zum Übernachten braucht. Er hat einige seiner Leute vorausgeschickt, die in einem Dorf schon mal alles vorbereiten sollten. Es ist ein samaritanisches Dorf, und als die Einwohner hören, dass die Reisegruppe nach Jerusalem unterwegs ist, verweigern sie ihnen jegliche Gastfreundschaft. Was deutlich zeigt, dass die Beziehung zwischen Juden und Samaritaner problematisch war.

Da sagen zwei Freunde und Jünger von Jesus, Johannes und Jakobus: «Jesus, dass brauchst du dir
doch nicht gefallen zu lassen! Sollen wir befehlen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie vernichtet, so wie es damals bei Elia war?» Da sind zwei aber so richtig eifrig! Und ich schwanke zwischen Lachen und den Kopf schütteln über so viel Feuereifer!

Johannes und Jakobus hatten kürzlich zusammen mit Petrus eine eindrückliche Gottesbegegnung (Nachzulesen in Lukas 9, 28 bis 36). Und nun sind sie voller Leidenschaft für Jesus! Wenn die Menschen hier so ablehnend sind, dann sollen sie die Quittung dafür bekommen! Feuer vom Himmel! Das würden sie nicht so schnell vergessen!

Aber was macht nun eigentlich Jesus? Sagt er: «Gute Idee, Jungs! Macht mal! Das haben sie wirklich verdient!»

Hm.

Im Bibeltext steht, dass Jesus sich umdrehte und «sie scharf zurechtwies»! Er hielt gar nichts davon und hat ihnen das deutlich gesagt! Aber war er denn nicht wütend über diese unbarmherzigen Samaritaner?! In einigen Bibelübersetzungen steht im Anschluss noch einen ergänzenden Satz, den ich persönlich sehr hilfreich finde: «Habt ihr denn vergessen, von welchem Geist ihr euch leiten lassen sollt? Der Menschensohn (Jesus) ist nicht gekommen, das Leben der Menschen zu vernichten, sondern es zu retten.»

Jesus treibt Liebe an! Er liebt die Menschen, auch wenn sie ihn ablehnen. Damals, und auch heute. Auch die zwei eifrigen Jünger wurden von Liebe angetrieben. Liebe zu Jesus. Nur war ihre Reaktion sehr menschlich inspiriert!

Am nächsten Wochenende ist Pfingsten, da feiern wir Christen, dass Gott den heiligen Geist zu uns geschickt hat. Gottes Geist, der nicht gekommen ist zum Vernichten, sondern um zu retten.

Kürzlich habe ich mich über etwas so richtig geärgert. Feuer vom Himmel erschien mir plötzlich irgendwie interessant… Eine sehr menschlich inspirierte Reaktion… Da habe ich zu Jesus gesagt: «Ich schaffe das nicht! Ich glaube an dich, aber ich schaffe es nicht, so zu leben wie du!»

Und dann wurde es in mir von einem Moment zum anderen still. Ich hatte das Gefühl, vom Schatten ins Licht zu treten. Und ich habe eine riesige Hoffnung und Liebe in mir verspürt. Nichts davon hätte ich selber herstellen können. Ich bin der Meinung, dass das der Heilige Geist in mir ausgelöst hat. Der eben nicht zerstören will, sondern retten. Und von ihm will ich mich leiten lassen.

Ich habe trotzdem manchmal Tiefpunkte, an denen meine Gedanken und Gefühle abwandern. Aber ich weiss, dass der Heilige Geist meine Sicht wieder zurechtrücken kann. Vielleicht haben die Einwohner dieses Dorfes später begriffen, wer damals bei ihnen war. Vielleicht haben sie angefangen, an Jesus zu glauben. Wie auch immer: im nächsten Kapitel des Lukas-Evangeliums erzählt Jesus übrigens das bekannte Gleichnis vom barmherzigen Samaritaner. Was Johannes und Jakobus wohl gedacht haben?







Judith Fiedler

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