"Dieses Virus kränkt unsere Egos"

Dieser Titel steht über einem der SRF-Artikeln (unten verlinkt). Ein Medizinhistoriker erklärt: "In Arbeit, Partnerschaft und Freizeit streben wir nach Selbstverwirklichung. Und jetzt stellt Corona das ausser Kraft. Auf einen Schlag sind wir nicht mehr als Einzelpersonen unterwegs, als kleine Ich-AGs, die sich in der Welt verwirklichen und ihre Risiken managen. Jetzt müssen wir uns einschränken und zu Hause bleiben, um die Infektionsketten zu unterbrechen." (F. Condrau)

Klar. Die aktuelle Situation ist wirklich aussergewöhnlich. Uns allen fehlen die persönlichen Beziehungen. Aber ist es wirklich gesund, wenn wir, wie oben beschrieben, als kleine "Ich-AGs" durch die Weltgeschichte marschieren? Völlig getrimmt darauf, sich in jedem Bereich seines Lebens selbst zu verwirklichen, Hauptsache, es stimmt für mich? Ist es nicht vielleicht sogar gesund, wenn unser Ego mal ein Bisschen in die Schranken gewiesen wird, und plötzlich nicht mehr einfach alles möglich ist?

Wir haben uns in den letzten zwei Jahren viele Pläne gemacht. Und ehrlich gesagt, sind viele von ihnen bachab. Auch jetzt, während der Corona-Zeit hätten wir geplant, im Ausland zu sein. Für Planungsmenschen, zu denen ich tendiere, ist es schwierig, wenn sich die Pläne plötzlich ändern. Ich übe mich deshalb darin, zwar einen Plan zu machen (denn das ist meiner Meinung nach wichtig), aber nicht mehr mit aller Kraft daran festzuhalten. Folgender Vers lässt mich gelassener werden: "Der Mensch plant seinen Weg, aber der HERR lenkt seine Schritte." (Sprüche 16,9)

Auch wenn es im ersten Moment danach aussieht, die Kontrolle über die Pläne abgeben zu müssen, ist es für mich ganz entscheidend, wem ich sie überlasse. Ich überlasse sie ja nicht einer mir unbekannten Person. Ich bin mir in meiner Planung einfach bewusst, dass da noch der allmächtige Gott ist, der über mir steht und meine Schritte lenkt. Wem sonst, wenn nicht ihm, sollte ich vertrauen?

Vielleicht ist es ja ganz gut, wenn unser Ego während der Corona-Zeit ein wenig gekränkt wird, und wir unseren Blick wieder mehr auf den ausrichten, bei dem alle Fäden zusammenlaufen. Denn er verspricht uns: "Ich will dich lehren und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst; ich berate dich, nie verliere ich dich aus den Augen." (Psalm 32,8). Diese Gewissheit wünsche ich dir! Jetzt, aber auch über die Corona-Zeit hinaus.

Lea Oetiker

SRF-Link: https://www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/corona-und-die-folgen-dieses-virus-kraenkt-unsere-egos

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